Zu den alten Lehrerwohnungen in der Linteler Postdammschule führt eine kurvige Treppe. Seit knapp 50 Jahren schon gehen dort aber nicht mehr nur die unterrichtenden Angestellten der Schule hoch – im Gegenteil: Mit deren Auszug wurden die Räume für alle Linteler geöffnet. Dies geschah seinerzeit mit großem persönlichem Einsatz und auch nicht ohne die Unterstützung der Stadt Rheda-Wiedenbrück. Das sind nicht die einzigen Parallelen zu den diesjährigen Modernisierungsarbeiten, die „Usse Stuorbn“ seit ein paar Wochen wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen.
Die Räume im Obergeschoss des alten Schulgebäudes werden vielfältig genutzt. Die Postdammschüler genießen aus dem gemütlichen Klassenraum unterm Dach einen guten Blick auf ihren Schulhof. Der größere Gemeinschaftsraum „Usse Stuorbn“ befindet sich auf der anderen Seite der Etage und ist seit Jahrzehnten Heimat vieler Vereine und Gruppen.
„Genau genommen ist es der einzige Raum, der der Linteler Dorfgemeinschaft frei zur Verfügung steht“, merkt Ortsvorsteher Thomas Walter bei der gemeinsamen Begehung mit einigen bei der Renovierung Engagierten an. Die rund 45 Quadratmeter stießen in der Vergangenheit nicht nur bei großen Gruppen an ihre Grenzen. In den letzten 30 Jahren kamen neue Anforderungen hinzu, der Raum selbst hat sich jedoch kaum verändert. So lernen und spielen dort die 30 bis 50 Kinder der Randstundenbetreuung der Eichendorff-Postdammschule. Sie freuen sich nun über etwas mehr Platz, gemütliche Sitzgelegenheiten und einen neuen Spielteppich – ihre Betreuerinnen hingegen über die Schallschutzdecke und eine zeitgemäße neue Beleuchtung des Raumes, wie Irmgard Himmelhaus betont.
„Die Materialien hierfür sowie die notwendigen Installationsarbeiten wurden von der Stadt Rheda-Wiedenbrück finanziert, wofür wir sehr dankbar sind“, verdeutlicht Thomas Walter. Dass der Raum jetzt so viel heller und einladender wirkt, ist wiederum das Werk vieler freiwillig helfender Hände. Wie schon Anfang der Achtzigerjahre war es vor allem die engagierte Landjugend (KLJB), die bei der Entrümpelung tatkräftig mit anpackte und so Platz für Neues schuf. Neben dem Förderverein der Postdammschule verbrachte vor allem Alfred Junkerkalefeld viele Stunden in „Usse Stuorbn“ und bewerkstelligte die Malerarbeiten ehrenamtlich beinahe im Alleingang.
Sie jetzt wieder neu mit Leben zu füllen, darauf freuen sich nicht nur Daniela Deittert vom Förderverein der Postdammschule, Charlotte Kornhoff von der Landjugend und das Mandolinen-Ensemble Taktgefühl als regelmäßige Nutzer. Alle Linteler Initiativen, Gruppen und Vereine profitieren von ihrer alten neu glänzenden Stube oben in der Postdammschule.
Größe und eingeschränkte Barrierefreiheit
Zu „Usse Stuorbn“ gibt es aktuell keine wirkliche Alternative. Dadurch wird nicht nur das Platzangebot besonders für Großgruppen oder raumgreifende Aktivitäten eine Herausforderung, sondern auch die fehlende Barrierefreiheit über die alten Treppen. Die Caritas-Gruppe ist mit ihren regelmäßig stattfindenden Seniorennachmittagen etwa auf das Entgegenkommen der Feuerwehr angewiesen, die ihre Gemeinschaftsräumlichkeiten zur Verfügung stellt. Bei anderen Aktivitäten, die nicht unter freiem Himmel organisiert werden können, ist dann nach wie vor Zusammenrücken angesagt.
Usse Stuorbn damals und heute
An den 12. Dezember 1982 erinnern sich die Im-Herzen-immer-noch-Landjugendlichen von damals sicherlich gerne. Nach langem Hin und Her wurden aus den beiden Wohnungen oben in ihrer damals noch eigenständigen Postdammschule Gemeinschaftsräume für das Dorf und die Schule – und dies wurde mit der Einweihung gebührend gefeiert.
Federführend war auch hier die KLJB-Ortsgruppe, die nicht nur den umfangreichen Umbau tatkräftig stemmte, sondern zuvor die Nutzung politisch in einem jahrelangen Ringen erkämpft hatte. Vorangegangen war eine Auseinandersetzung um verschiedene berechtigte Anliegen: Die Verwaltung der noch jungen Doppelstadt stand unter großem Druck, der hohen Zahl wohnungsloser Menschen beizukommen, indem Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde. Dafür wollte man zunächst auch auf die zwei Lehrerwohnungen nicht verzichten. Die Glocke berichtete noch zweieinhalb Jahre vor der Einweihung von der Debatte und zitierte Stadtdirektor Dr. Schweins gar mit der Frage, „ob es legitim sei, wenn Vereine – nicht nur die aus Lintel – von der Stadt eine Unterkunft für ihre Arbeit forderten“ (Die Glocke, 14.03.1980). Eine Lösung wurde – zur Freude der Linteler – zum Glück gefunden.
So könnte nicht nur das alte Ledersofa, das die gegenwärtigen Landjugendlichen nach unten gehievt haben, Geschichten über viele Linteler Generationen und ihr großes Engagement erzählen. Weitergeschrieben werden sie nun in modernerer Umgebung.
Quelle:
- Dokumentationsstelle für kirchliche Jugendarbeit (DstkJA), BDKJ Paderborn

